Dres. medic-stom./ UMF Klausenburg Christa & Thomas Jungwirth
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Zahnpflege verlängert das Leben

Die regelmäßige Vor- und Nachsorge mit professioneller Unterstützung durch den Zahnarzt verlängert möglicherweise das Leben. Auf dieses überraschende Studienergebnis verwies Prof. Dr. Michael Noack (Universität Köln) auf der ersten Online-Pressekonferenz der Initiative proDente e.V. zum Thema „Die Zukunft der Zahnmedizin". Schon länger ist bekannt, dass eine unbehandelte Zahnfleischentzündung Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen begünstigt. Auch das siebenfach erhöhte Risiko für Schwangere mit einer Parodontitis eine Frühgeburt zu erleiden ist durch Studien belegt. Zudem gibt es erste Anzeichen, dass Patienten bei denen regelmäßig Bakterien in die Blutbahn eingeschleust werden, häufiger Schlaganfälle erleiden. „Es gibt Studien, dass die Patienten, die in Altersheimen leben und vernünftig versorgt sind bis zu fünf Jahre länger leben“, berichtete Noack.

Zugleich besuchen Patienten ihre Zahnärzte häufiger als ihre Hausärzte. Zahnärzte könnten demnach neben Karies auch weitere Krankheiten früher erkennen, so die These von Noack.

Konsequenzen für Zahnbehandlung im Alter

Sowohl die häufigen Zahnarztbesuche als auch die Wechselwirkungen zwischen Zahngesundheit und allgemeinem Befinden offenbaren gleichzeitig die derzeitigen Defizite bei der Behandlung älterer Patienten. "Zahnarztpraxen müssen für den alten Menschen erreichbar, also barrierefrei, sein. Auch nach einem Umzug muss die freie Zahnarztwahl möglich sein“, erläutert Dr. Anne Wolowski (Universität Münster) Zudem forderte Wolowski, dass die Angestellten in Pflegeeinrichtungen der Zahnpflege mehr Gewicht einräumen.

Risiko Parodontitis

Zukünftig wird die Zahnmedizin mit einer wachsenden Gefahr durch Parodontitiserkrankungen konfrontiert. Befördert durch die zunehmende Überalterung der Gesellschaft haben zugleich Risikogruppen wie Diabetiker, Raucher oder Schwangere ein erhöhtes Risiko an einer Parodontitis zu erkranken. "Es stehen zwar alle möglichen Horrorszenarien auf den Zigarettenschachteln, aber nirgendwo steht 'Raucher verlieren früher ihre Zähne", bemerkte Dr. Prof. Michael Noack, beim Pressegespräch der Initiative proDente. Umfassende Aufklärung, regelmäßige Vorsorge und eine gründliche Mundhygiene nehmen zur Eingrenzung der Zahnfleischentzündung einen immer höheren Stellenwert ein. Unbehandelt kann eine Parodontitis neben drohendem Zahnverlust auch negative Auswirkungen auf den gesamten Körper haben. "An jedem Zahn hängt ein Mensch und die meisten Menschen hängen auch an ihren Zähnen. Es ist eine Illusion zu glauben, es gäbe irgendein Stück des Körpers, das völlig unabhängig vom Rest funktioniert", fasst Dr. Noack die Problematik zusammen. Entwicklungen besonders im Bereich der Implantologie machen den Zahnersatz zwar immer „perfekter“ trotz allem sind Implantate besonders bei fortschreitender Parodontitis kein Allheilmittel.

Implantate – Zahnersatz der Zukunft aber kein Allheilmittel

Trotz der ungeheuren Entwicklung bei Implantaten in der Zahnmedizin plädierte Prof. Jürgen Becker (Universität Düsseldorf) die Nachsorge nicht zu unterschätzen: „Patienten, die denken: ich setze mich hin, bezahle eine große Menge Geld, alles in Vollnarkose, Implantate drin und danach wird alles gut – das ist nicht richtig!"

Becker stellte auf der Pressekonferenz der Ínitiative proDente e.V. den hohen Stellenwert der Implantate in der prothetischen Versorgung dar. Implantate sind zwar immer nur ein Ersatz der Natur, dennoch haben sie sich als Zahnersatz und zum besseren Befestigen von Prothesen bewährt. Verkürzte Einheilzeiten und bessere Verträglichkeit machen sie zur besten Alternative um stark geschädigte Zähne adäquat zu ersetzen. Aber auch die fortschrittlichste Implantologie hat ihre Grenzen. „Es gibt an Implantaten genauso entzündliche Zahnfleischerkrankungen, wie an natürlichen Zähnen – nur sie sind schlimmer“, darauf machte Prof. Dr. Becker aufmerksam. Risikofaktoren wie eine bestehende Parodontitis oder starker Rauchkonsum können den langfristigen Erfolg zusätzlich gefährden.

Die Rolle des Patienten ebenso wichtig

Die Rolle der Patienten ist somit sowohl bei der Vorsorge als auch bei der Nachsorge von entscheidender Bedeutung. "Implantate müssen genauso kontrolliert werden, genauso gepflegt werden, genauso gewartet werden wie natürliche, eigene Zähne", forderte Becker. „Es macht keinen Sinn sich aufwändigen Zahnersatz im Wert eines Kleinwagens zu kaufen ohne danach kleine, überschaubare Beträge in die Prophylaxe zu investieren", ergänzte Noack hinsichtlich des Engagements der Patienten.

Neben der Kooperation der Patienten bei Vor- und Nachsorge spielt die Kommunikation der Zahnärzte auch im psychologischen Bereich eine immer stärkere Rolle. Jeder neue Zahnersatz bringt für den Patienten zwar zumeist eine Verbesserung, gleichzeitig aber auch eine Veränderung mit sich. Psychosomatische Krankheitsformen wie beispielsweise die psychogene Prothesenunverträglichkeit nehmen auch in der Zahnmedizin einen immer höheren Stellenwert ein. „Wir müssen damit rechnen, dass ein Drittel unserer Patienten Beschwerden haben, die nur psychosomatisch erklärbar sind“, resümiert Dr. Wolowski auf der proDente Pressekonferenz. Um diese nicht körperlich bedingten Krankheiten diagnostizieren zu können bedarf es eines hohen Einfühlungsvermögens und einer ausgeprägten Beratungskompetenz.
Angst vor Zahnbehandlung und Röntgen

Angesichts der weitreichenden Konsequenzen von unbehandelten Zahnschäden und -entzündungen sollten Menschen, die aus Angst Zahnarztbesuche vermeiden, jede Möglichkeit nutzen, ihre Furcht zu überwinden. „Mit den Möglichkeiten, die wir heute haben, kann eine Zahnbehandlung problemlos ertragen werden. Ohne dass man Schmerzen hat", betonte Noack. Auch die immer wieder geäußerte Furcht vor Röntgenstrahlen in der Zahnarztpraxis halten die Fachleute für unangebracht. Zahnärzte sind gesetzlich verpflichtet jeden Einsatz von Röntgenstrahlen abzuwägen. Und: „In der Regel ist in der Zahnmedizin der Vorteil einer Röntgenaufnahme wesentlich größer ist als ein theoretisch denkbarer Strahlenschaden", so Becker.

Quelle: Initiative proDente

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